10.11.2006

Leipziger Volkszeitung

ULMAN:

Ein Hagel aus Pop, Folk, Ethno, Elektro

Unnötige Hast wird ihnen niemand vorwerfen können. Genau zehn Jahre hat es gedauert, bis ULMAN, die Familienband des verzweigten Folk-Clans namens Uhlmann mit Hauptsitz in Größpösna, ihr zweites Album herausgebracht hat. Beim Debüt waren die Musiker blutjung und wurden so ein bisserl als die Wunderkinder der Szene gehandelt, es hagelte Lob und Preise. Frisch, frech und frei hatten die Rotzlümmel die eingefahrenen Genrekonventionen torpediert. Schade, dass es dann allmählich ruhiger um die vier ausgesprochenen Vollblutmusikanten wurde. Jetzt meldet sich der Clan zurück. „Vibes“ heißt die zweite CD. Die Band hat eine Menge Erfahrungen gesammelt und sich an ihren Instrumenten vervollkommnet. Erwartungshaltungen und Konventionen ignoriert sie jedoch noch immer hartnäckig.
Die Musik ist hörbar aus allen Ecken der Welt beeinflusst, aber es ist keine Weltmusik im herkömmlichen Sinne. Da hagelt es Pop und Jazz, Ethno und Folk, da gibt es Elegisches, aber auch erfrischend Tanzbares, es finden sich beachtliche rhythmische Verschachtelungen, aber auch cool-clubige Breakbeats. Man meint plötzlich, die schwedischen Garmarna zu hören, und bei „Fiddle Execution“ natürlich Cashmere von Led Zeppelin. Aber diese Eindrücke werden schnell von neuem verdrängt: Die Musik ist gut durchhörbar, stilistisch jedoch auch ziemlich sperrig. Neben Johannes Uhlmanns diatonischem Akkordeon (holt er da wirklich die E-Basstöne heraus?!), Tills Drehleier und Andreas’ Posaune findet sich in der Instrumentenliste auch wie selbstverständlich ein Powerbook G4 vom Rechnerbauer mit dem Apfel.

Bis auf ein paar anfeuernde Rufe im Hintergrund ist die Platte frei von menschlichen Stimmen. Nichts ungewöhnliches im Jazz. Folk- und Popfreunde werden sich allerdings erst damit anfreunden müssen. Klar eignet sich dieses Album hervorragend als atmosphärischer Hintergrund besinnlicher Sommernachts-Garten-Partys oder gepflegter Chiller-Lounges. Doch es wäre fatal, diese wunderbar fantasievolle und vielseitige Musik lediglich als Geräusch einzusetzen. Die Lieder wollen offene Herzen und ebensolche Ohren.....

Lars Schmidt