08.02.2007

Magdeburger Volksstimme

Tanzen zu verzerrten Geigen

Die Band ULMAN vertritt Mitteldeutschland beim Bundeswettbewerb für Weltmusik

Ihre Musik ist von Rock, Pop und Jazz sowie europäischem Folk beeinflusst. Trotzdem haben ULMAN einen eigenen Stil gefunden, der auch von ihrem außergewöhnlichen Instrumentarium geprägt ist. Jetzt haben sie sich qualifiziert für den Bundesausscheid um Deutschlands wichtigsten Preis für multikulturell orientierte Musik.

Von Mona Köcher

Leipzig/Halle. ULMAN, das sind Ulrich Stornowski (36) und Johannes (31), Andreas (30) und Till Uhlmann (25). Seit mehr als zehn Jahren machen sie zusammen Musik und haben sich inzwischen einen Namen in der Folk- und Weltmusikszene Europas erspielt. Akustische Instrumente wie Posaune, Drehleier, Diatonisches Akkordeon, Bratsche und Geige treffen bei ihnen auf moderne tanzbare Beats. Verzerrte Geigen, druckvolle Subbässe und jazzige Posaunenriffs prägen den typischen ULMAN-Sound. ULMAN spielen auf eine Weise, die einem die Wahl lässt zwischen Disko-Abhotten und Zuhören mit Fußwippen.
Die vier studierten Musiker leben verstreut im Osten Deutschlands: Till Uhlmann lebt in Leipzig, sein Cousin Johannes ganz in der Nähe, Andreas Uhlmann lebt in Halle/Saale und Ulrich Stornowski in Mecklenburg. Zum Musizieren treffen sie sich in unregelmäßigen Abständen, daneben tauschen sie sich übers Internet aus. Im vergangenen Jahr haben ULMAN – zehn Jahre nach ihrem Debüt – ihre zweite CD herausgebracht.
Beim Regionalausscheid des Creole-Wettbewerbs für Weltmusik haben sich die Musiker aus Mitteldeutschland für das Bundesfestival in Dortmund qualifiziert. „Creole“ ist Deutschlands wichtigster Preis für multikulturell orientierte Musik. Das Weiterkommen beim Regionalauscheid bezeichnen ULMAN als ihren ersten größeren Erfolg nach ihrem Comeback. In Dortmund streben sie an, unter die ersten drei Bands zu kommen.
Als die vier Jungs ihr erstes Album („Acoustic Power“) auf den Markt brachten, waren sie noch relativ jung. Bis zum Erscheinen des zweiten („vibes“) haben die Musiker zum Teil die Schule abgeschlossen, sich ihrem Instrumentenstudium gewidmet (Till Uhlmann studiert Jazzgeige in Leipzig) und sich anderen musikalischen Projekten gewidmet.
Privat hören die Uhlmänner und Schlagzeuger Ulrich Stornowski nicht nur Folk- und so genannte Weltmusik, sondern „eigentlich alles querbeet – außer Techno und volkstümliche Musik“. Neben der Musik verbinden die Bandmitglieder auch sportliche Interessen wie Fußball oder Abfahrtsski.
Alle Bandmitglieder können von der Musik leben, „allerdings nicht ausschließlich von ULMAN“, räumt Johannes Uhlmann ein. „Momentan spielen wir etwa 20 Konzerte im Jahr, Tendenz steigend.“ Dabei reisen sie zu verschiedenen Festivals und feierten schon Erfolge in Frankreich, Finnland oder im dänischen Roskilde. In Norddeutschland waren ULMAN im vergangenen Jahr auch mit einer eigenen Tour unterwegs.
Einen Stopp in Sachsen-Anhalt sucht man auf dem Terminplan von ULMAN bislang noch vergeblich. Nun besteht aber Aussicht, die Band auch in Magdeburg zu hören – und zwar im Rahmen des Kultursommers im Kulturzentrum Moritzhof. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Wer aber nicht bis zum Sommer warten will, muss schon zum „folk-BALTICA“-Festival (20. April) nach Flensburg pilgern oder bis Dresden fahren, wo ULMAN am 28. April im Club Tante Ju auftreten.